09.04.05

Apfel vs Universum

kulturforum*

   

Wer mal im Sommer in Binz auf Rügen war, kennt ihn bestimmt. Entlang einer Reihe von Künstlerständen mit Schmuck, Landschaften und Portraits sticht er besonders heraus. Andreas Schiller beschränkt sich seit nahezu 10 Jahren auf ein Motiv - einen einsamen Apfel, der meist auf standardisiertem Format, in feinster Lasurtechnik nach den Rezepturen venezianischer Malerei der Hochrenaissance ausgeführt wird. Wichtige Ereignisse in seiner Karriere waren 3 Personalausstellungen in New York und eine Retrospektive im Kunstmuseum von Grenchen (CH), über die im Prestel Verlag eine Publikation mit dem Titel „Andreas Schiller-Serielle Malerei“ erschienen ist (ISBN 3-7913-3034-9).
Aus der faszinierenden Fähigkeiten der Kunst , in der Beschränkung auf wenige Mittel und Motive ein ganzes Universum entwerfen zu können, ergibt sich Schillers Ansatz. Er reduziert das gesamte Universum auf einen Apfel, als ultimatives Symbol des Seins aller Dinge und den Verlust der Unschuld. Dabei wird durch Wiederholung und Automatisierung, die den Künstler zur Malmaschine mutieren lässt, ein Apfeluniversum geschaffen. Dabei spielt eine Affinität für Zahlenspiele eine Rolle. 3 x 3 Äpfel ergeben ein Bild, 3 x 3 Bilder ein Objekt. Da die Quersumme von Vielfachen von 3 immer durch 3 teilbar sind, erinnert die Anordnung an ein Fraktal, dessen bekanntester Vertreter, das Apfelmännchen sein dürfte. Obwohl unter seinem Pinsel schon mehrere zehntausend Apfelbilder entstanden sind, ist ein Ende noch nicht abzusehen.
Schillers Werk erlangt nun jedoch eine neue Dimension. Schiller geht nun den umgekehrten Weg. Er beschreibt den Apfel mit dem Universum und dessen unterschiedlichen Motiven, die wenn die Produktion mit gleicher Besessenheit vorangetrieben wird, ein aus 10 000 Motiven bestehendes Gesamtweltbild ergeben sollen. Er selbst beschreibt dieses Projekt als Gegenentwurf zu Ludwig Wittgensteins Satz: „Die Welt ist alles, was der Fall ist“. Für seine nächste Ausstellung im Kunstmuseum Grenchen produziert Schiller ein modulares Bildsystem mit 1000 unterschiedlichen Motiven. Er versucht dabei die Mentalität eines Farbkopierers anzunehmen. Die Motivauswahl und Anordnung basiert allein auf Kundenwünschen.
In der Galerie Fango wird sich das Apfelpanoptikum und das Gesamtweltbild gegenüberstehen, ergänzt durch Bilder von Oskar Keilich, ein Schüler von Schiller, der die konzeptionellen Ansätze seines Meisters übernommen hat. Anhand seiner Arbeiten wird sichtbar, wie das „Schiller-Konzept“ in abgewandelter Form realisiert wird. Keilich, der auf eine 12 jährige künstlerische Kariere mit Ausstellungen in New York, London und Wien zurückblickt, erzeugt durch gezielte inhaltliche und formale Eingriffe, Spannungen innerhalb des von Schiller konzipierten Systems.
Zur Ausstellungseröffnung am 9.April wird Andreas Schiller vor Ort malen. In Anlehnung an Schillers Arbeitsweise werden philosophische Texte von Ernst Majo oder durch Ernst Majo ausgewählte Texte vorgetragen und Ernst Jandl gelesen. Jandl nutzt wie Schiller die Wiederholung. Ereugt jedoch durch Änderungen, Kürzungen und Mutationen von Wörtern ein übergeordnetes Ganzes. Außerdem gibt es Apfelkuchen und Obstsalat zu essen. Den Fango, ein Cocktail aus Apfelsaft, Whiskey und Amaretto gibt es zur Feier des Apfels für 2,50 € an der Bar. Die Ausstellung bleibt bis zum 27. April und kann wochentags von 16 – 20 Uhr besucht werden.

diese Veranstaltung wurde durch die Unterstützung der europäischen Union ermöglicht

*Kulturforum Cottbus e.V.