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Wer mal im Sommer in Binz auf
Rügen war, kennt ihn bestimmt. Entlang einer Reihe von Künstlerständen
mit Schmuck, Landschaften und Portraits sticht er besonders heraus. Andreas
Schiller beschränkt sich seit nahezu 10 Jahren auf ein Motiv - einen
einsamen Apfel, der meist auf standardisiertem Format, in feinster Lasurtechnik
nach den Rezepturen venezianischer Malerei der Hochrenaissance ausgeführt
wird. Wichtige Ereignisse in seiner Karriere waren 3 Personalausstellungen
in New York und eine Retrospektive im Kunstmuseum von Grenchen (CH), über
die im Prestel Verlag eine Publikation mit dem Titel „Andreas Schiller-Serielle
Malerei“ erschienen ist (ISBN 3-7913-3034-9).
Aus der faszinierenden Fähigkeiten der Kunst , in der Beschränkung
auf wenige Mittel und Motive ein ganzes Universum entwerfen zu können,
ergibt sich Schillers Ansatz. Er reduziert das gesamte Universum auf einen
Apfel, als ultimatives Symbol des Seins aller Dinge und den Verlust der
Unschuld. Dabei wird durch Wiederholung und Automatisierung, die den Künstler
zur Malmaschine mutieren lässt, ein Apfeluniversum geschaffen. Dabei
spielt eine Affinität für Zahlenspiele eine Rolle. 3 x 3 Äpfel
ergeben ein Bild, 3 x 3 Bilder ein Objekt. Da die Quersumme von Vielfachen
von 3 immer durch 3 teilbar sind, erinnert die Anordnung an ein Fraktal,
dessen bekanntester Vertreter, das Apfelmännchen sein dürfte.
Obwohl unter seinem Pinsel schon mehrere zehntausend Apfelbilder entstanden
sind, ist ein Ende noch nicht abzusehen.
Schillers Werk erlangt nun jedoch eine neue Dimension. Schiller geht nun
den umgekehrten Weg. Er beschreibt den Apfel mit dem Universum und dessen
unterschiedlichen Motiven, die wenn die Produktion mit gleicher Besessenheit
vorangetrieben wird, ein aus 10 000 Motiven bestehendes Gesamtweltbild
ergeben sollen. Er selbst beschreibt dieses Projekt als Gegenentwurf zu
Ludwig Wittgensteins Satz: „Die Welt ist alles, was der Fall ist“.
Für seine nächste Ausstellung im Kunstmuseum Grenchen produziert
Schiller ein modulares Bildsystem mit 1000 unterschiedlichen Motiven.
Er versucht dabei die Mentalität eines Farbkopierers anzunehmen.
Die Motivauswahl und Anordnung basiert allein auf Kundenwünschen.
In der Galerie Fango wird sich das Apfelpanoptikum und das Gesamtweltbild
gegenüberstehen, ergänzt durch Bilder von Oskar Keilich, ein
Schüler von Schiller, der die konzeptionellen Ansätze seines
Meisters übernommen hat. Anhand seiner Arbeiten wird sichtbar, wie
das „Schiller-Konzept“ in abgewandelter Form realisiert wird.
Keilich, der auf eine 12 jährige künstlerische Kariere mit Ausstellungen
in New York, London und Wien zurückblickt, erzeugt durch gezielte
inhaltliche und formale Eingriffe, Spannungen innerhalb des von Schiller
konzipierten Systems.
Zur Ausstellungseröffnung am 9.April wird Andreas Schiller vor Ort
malen. In Anlehnung an Schillers Arbeitsweise werden philosophische Texte
von Ernst Majo oder durch Ernst Majo ausgewählte Texte vorgetragen
und Ernst Jandl gelesen. Jandl nutzt wie Schiller die Wiederholung. Ereugt
jedoch durch Änderungen, Kürzungen und Mutationen von Wörtern
ein übergeordnetes Ganzes. Außerdem gibt es Apfelkuchen und
Obstsalat zu essen. Den Fango, ein Cocktail aus Apfelsaft, Whiskey und
Amaretto gibt es zur Feier des Apfels für 2,50 € an der Bar.
Die Ausstellung bleibt bis zum 27. April und kann wochentags von 16 –
20 Uhr besucht werden.
diese Veranstaltung wurde durch die Unterstützung
der europäischen Union ermöglicht
*Kulturforum Cottbus e.V.
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