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in the nighttime
- Sebastian Klug
09.01.10 bis Mitte Februar ´10
Ich fotografiere seit eineinhalb Jahren
kontinuierlich mit dem Handy, in Berlin und bei Nacht. Auf das Medium
Handy für die Fotografie bin ich gestoßen, als ich eine bestimmte
Lichtsituation bei Nacht festhalten wollte und dabei nur auf das Handy
zurückgreifen konnte. Beim Betrachten der Bilder sind mir die extreme
Grobkörnigkeit, die starken Kontraste und die Verzerrungen im Farbspektrum
aufgefallen als etwas, das eine eigene, der Situation durchaus angemessene
Ästhetik entstehen lässt. Bei bewusstem Verzicht auf die gewohnten
Ergebnisse hochauflösender Fotografie lässt sich somit eine
Atmosphäre transportieren, deren rauer Charme eine eigene Sprache
spricht, sozusagen berlinerisch bei Nacht.
Die Protagonisten meiner Bilder sind die Protagonisten der Berliner Nacht,
meist abseits des Partytrubels und doch mit diesem verbunden, von der
Samba-Tänzerin nach dem Karneval der Kulturen, den Flaschensammlern
bis zum Kneipen-Cowboy, alle in einem Moment der Isolation, in dem sie
scheinbar abseits des Geschehens ihren Gedanken nachhängen. Sie scheinen
in ihrer eigenen Welt versunken und mit den Gedanken woanders zu sein,
was in manchen Fällen traumverloren, in anderen geradezu komisch
wirkt, wie das Mädchen das trotz der engen Umarmung mit einem Jungen
auf dem Gang zu einer Toilette mit seinem Handy beschäftigt ist.
Die geringe Auflösung und das hohe Maß an Bildrauschen spiegelt
die oft zufälligen und wie nebenbei festgehaltenen Situationen in
einer Weise wieder, die der Wahrnehmung in solchen Momenten entspricht
– flüchtig, unfokussiert, verschwommen, der Auflösung
nahe. Ein Augenblick wie so viele andere auch - und doch typisch, repräsentativ.
Die blaue Stunde – in der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhundert
synonym für die Zeit des Übergangs von Abend zur Nacht und von
Nacht zum Morgen, in der das Verfließen des Lichts mit dem der Seele
einhergeht, ein Augenblick der erweiterten sinnlichen Wahrnehmung und
des Übergangs in einen weicheren Aggregatszustand – sie ist
der Stoff aus dem die Stimmung an einem Ort gewebt ist, der Raum in dem
Begegnungen, Erfahrungen und Erinnerungen entstehen, die während
des Tags nicht denkbar wären. Die Bilder beschreiben in Tausenden
Pixeln die Sehnsucht nach Auflösung, nach Entmaterialisierung und
Neuzusammensetzung – vom Ich zum Wir zu einem neuen Ich.
Ein Traum der seine Spuren hinterlässt – sobald das Licht zurückkehrt.
Sebastian Klug
geb. 1981 in München
studiert derzeit Architektur an der BTU Cottbus
Ausstellungen bereits in Berlin und Italien
Galerie Fango
Amalienstraße 10
03044 Cottbus
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